Die arme, arme Musikindustrie kann jubilieren: Einmal mehr hat sie einen Prozess gegen einen der bösen “Raubmordkinderschändermusikkopierer” gewonnen. Joel Tenenbaum, Physikstudent in Boston, hat im Alter von 17 Jahren mithilfe der Filesharingsoftware KaZaA mehrere Lieder im mp3 Format heruntergeladen. Für 30 davon die er auch wieder hochgeladen hat, wurde er von der RIAA vor Gericht gezogen. Heute ist das Urteil gefallen: Joel Tenenbaum ist schuldig, und muss 22’500 US$ pro Track bezahlen – das sind insgesamt 675’000 US$. Die Schlacht ist gewonnen, Joels Leben ist ruiniert, und Gerechtigkeit hat einmal mehr triumphiert. (Vorsicht, tiefschwarze Ironie)
Artikel zum Gerichtsurteil: http://www.gulli.com/news/riaa-vs-joel-tenenbaum-2009-07-31/. Der detaillierte Ablauf des Verfahrens kann in den Gulli News auch eingesehen werden.
Nun denn, ich werde wohl in den nächsten Tagen der Piratenpartei Schweiz beitreten – obwohl ich eigentlich warten wollte bis sie ein wenig besser und seriöser organisiert ist. Aber bei sowas “hauts mir doch den Nuggi raus” (obwohls von Anfang an klar war wer gewinnen wird). Für alle interessierten: http://piraten-partei.ch/Mitglied_werden
Zwei Zitate zum Thema Musikindustrie von Dieter Meier (via blog.allmend.ch):
«Es ist ja generell so, dass die Plattenindustrie in einem desolaten Zustand ist. Man arbeitet nur noch für den nächsten Tag, baut gar keine Künstler mehr auf, ist auch an künstlerischen Arbeiten nicht interessiert. Man möchte auf billigste Weise möglichst viel verdienen.
Formate wie «Musicstar», bei denen das Publikum darüber abstimmt, wer der beste Musiker sein soll, sind idiotisch. Da entsteht nichts Neues, sondern werden alle bekannten Klischees und Epigonen bedient. Die Plattenfirma macht ein schnelles Geschäft, räumt ab und geht zum nächsten weiter.»
«Die Plattenindustrie war immer schon sehr reaktionär. Ihre grosse Devise lautet: «You throw shit to the wall and wait, what sticks.» Es ist ein Skandal und nicht erstaunlich, dass sie ihre Märkte verloren haben. Die CD ist mittlerweile über 25 Jahre alt. Wie hat sich doch in diesem Zeitraum die Computer- und Chipindustrie verändert. Und die Plattenindustrie? Die verkauft uns noch immmer die gleiche depperte CD und meint, die Leute würden für den gleichen Bruch wie vor 20 Jahren noch immer 30 Stutz zahlen. Dabei könnte man ein x-faches an Informationen, ein massiv besseres Klangbild und Zusatznutzen anbieten. Das hat die Industrie verschlafen.»
Fest steht für mich schon seit längerem: So eine Industrie unterstütze ich nicht mehr. Wer so an althergebrachten Wegen festhält, sich vor Innovation drückt, kein Auge für die Bedürfnisse der Kunden und Künstler hat, und schlichtweg Einzelpersonen um (teilweise) Millionenbeträge verklagt, der hat es nicht verdient dass ich weiter ihre CDs kaufe.
Nicht falsch verstehen – die Künstler habens in vielen Fällen verdient. Deshalb kaufe ich auch weiterhin CDs – direkt von den Bands per Mail oder an Konzerten, sowie von Mailordern im Internet. Von Musikern die es meiner Meinung nach verdient haben. Fördert die Musik, bremst die Industrie. Was die rausbringt hat sowieso in vielen Fällen keinen künstlerischen Wert.

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